Der Sinn des Lebens?

Veröffentlicht: 8. Januar 2011 von angekreuzt in Rezension, Schulbibo

Eine Empfehlung unseres Schulbibliothekars …

TELLER, Janne:
Nichts. Was im Leben wichtig ist. Roman

München: Hanser, 2010. – Taschenbuch, 139 S. – ISBN: 978-3-446-23596-0. – 12,90 €.
KATEGORIE: Hier & Jetzt / Philosophie/ Gewalt
ALTERSEMPFEHLUNG: ab 14 Jahre

Es ist schon mehr als ungewöhnlich, wenn es ein als Kinderbuch apostrophierter Titel in die Bestsellerlisten vom Spiegel schafft – zumal wenn es nicht um Fantasy geht und die Autorin nicht Rowling, Meyer oder Funke heißt.
Noch interessanter wird ein Buch, wenn es im Zuge der Publikation eine Vielzahl an Diskussionen in der Presse und sogar im Fernsehen (ttt) gibt. Der Titel war nach seiner Erstveröffentlichung in Dänemark und skandinavischen Nachbarländern lange Jahre verboten, ist es zum Teil immer noch. Andererseits ist das Buch fürs Theater adaptiert worden, wurde zur verpflichtenden Schullektüre und erhielt sogar literarische Preise. Ziemlich widersprüchlich!
Somit gab es also genügend Gründe, das Buch für die Schulbibliothek anzukaufen und es auch zu lesen…
Worum geht es? Ein neues Schuljahr beginnt für eine 7. Klasse in einem Provinzstädtchen in Dänemark. Pierre Anthon behauptet am ersten Schultag, dass nichts eine Bedeutung habe und demzufolge auch Schule nutzlos sei. Nach seiner eindeutigen Ansage lässt er seine Klassenkameraden staunend zurück. Auf ihrem Schulweg müssen die Mitschüler an Pierre Anthons Haus vorbei, dieser sitzt in einem Baum und wirft ihnen jeden Tag neue Weisheiten, die seinen Nihilismus unterstreichen sollen, an den Kopf.
Die Klasse will deshalb reagieren und das Gegenteil beweisen – es gibt doch schließlich jede Menge „Dinge“, die etwas bedeuten! Doch anfangs fällt die Auswahl gar nicht so leicht. Allmählich sammeln die Jugendlichen einen „Berg der Bedeutung“. Jeder muss eine ihm liebge-wordene und wichtige „Sache“ abgeben. Wer seinen Beitrag geleistet hat, darf nicht nur den nächsten Schüler bestimmen, sondern eben auch die für den anderen bedeutsame „Sache“. Es beginnt harmlos mit Kleidungsstücken, steigert sich hin zu Adoptionsurkunde und Nationalflagge und eskaliert später z. B. bei begrabenen Familienangehörigen, einer Jesusstatue und mehr. Es entwickelt sich eine perfide Gruppendynamik, der niemand entfliehen kann; wer nicht mitzieht, wird mittels körperlicher Gewalt gezwungen. Alle entdecken ihre dunklen Seiten. Doch können sie mit dem angehäuften „Kunstwerk“ ihren Mitschüler Pierre Anthon überzeugen?
Ein Kinderbuch ist dieses kurze und spannende Stück Literatur definitiv nicht, es wendet sich vielmehr an Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen. Man kann das Buch als eindrucksvolle Parabel über Erwachsenwerden, Erziehung und Gewalt in unserer Gesellschaft lesen. Wichtiger ist jedoch, dass sich der Leser existenziellen Fragen stellt. Eine Lektüre, die zum Nachdenken anregt und lange nachhallt.

von Jorge

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Kommentare
  1. Milla sagt:

    juhu. das hat mein bruder zu weihnachten bekommen.

  2. Marie sagt:

    lag bei mir unterm weihnachtsbaum und wartet auf eine gelegenheit gelesen zu werden (:

  3. Elena sagt:

    ich habe davon schon in der zeitung gelesen und es schon da auf die liste der noch zu lesenden bücher bei mir gesetzt.
    insofern – gut zu wissen, dass man es auch in der bibliothek ausleihen kann!!! 🙂

  4. Milla sagt:

    oho. das klingt doch gar nicht übel. schade, dass dieses buch hier so groß gelobt wird. zwar wüsste ich sonst nicht, was so für schätze bei uns in der schulbibo stehen. andererseits…hoffentlich liest das hier sonst niemand bis zum montag…

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