Dr. Thomas de Maizière am Kreuzgymnasium

Veröffentlicht: 15. April 2011 von angekreuzt in Allgemein, Offizielles

Dr. Thomas de Maizière (CDU), Bundesminister der VerteidigungDer Besuch eines waschechten Regierungsmitgliedes versetzte die Kreuzschule letzten Freitag so kurz vor dem Wochenende noch einmal ordentlich in Aufregung. Für die Reihe der Berufsvorstellungen von Eltern für Schüler war es dem Elternrat gelungen, den Bundesminister für Verteidigung Dr. Thomas de Maizière zu gewinnen, der eingeladen wurde, um die Tätigkeiten eines Politikers zu beleuchten und dabei auf die Fragen der Schüler einzugehen.

Beeindruckend zu sehen, wie man – basierend auf einer Handvoll Stichwörtern, die auf die Rückseite der Einladung notiert sind – eine halbe Stunde lang strukturiert und bedacht formuliert eine Rede halten kann. Obwohl der Minister einen entspannten Eindruck machte und betonte, wie angenehm er die Abwesenheit der Presse fände, war er, auch wenn man den Inhalt seiner Rede außer Acht lässt, als Politiker unverkennbar: die gedankenvollen Pausen nach einem wichtigen Statement, der Blickkontakt zu immer verschiedenen Personen im Publikum, das Gestikulieren mit den Händen – wahrscheinlich hätte er auch bei einem Vortrag über die Schneckenzucht in Deutschland die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Anwesenden gehabt.

Nichtsdestotrotz war der Inhalt hochinteressant; nach einer allgemeinen Erklärung von Politik vom Wortursprung bis zum heutigen Verständnis, definierte er als Politiker alle Menschen, die bereit sind sich für ihren Wunsch, etwas zu verändern, einzusetzen. Er selbst habe erst nach dem Amt des Staatssekretärs angefangen, sich als Politiker zu fühlen, vorher habe er sich nur „für die Gestaltung des öffentlichen Zusammenlebens interessiert“ – angefangen mit der Verteilung von Flugblättern und, wie er mit einem Lächeln hinzufügte, Aufrufen mithilfe von Megafonen in der Cafeteria der Uni.

Die Rolle der Presse beschrieb er als wichtig, aber gefährlich, da bei der Vermittlung von Informationen durch Meldungen, Artikel oder Blogbeiträge gern Zitate aus dem Kontext gerissen werden, um den Sprecher bloßzustellen (was wir an dieser Stelle natürlich vermeiden wollen). Wer das Fernsehteam noch gesehen hat, welches ihm, da bei der Veranstaltung keine Presse erlaubt war, vom Auto bis zur Tür der Aula gefolgt war und sich nicht ohne ein kurzes Interview am Eingang nach Hause schicken ließ, der ist nicht verwundert über de Maizières Kommentar, er sage „neun von zehn Presseinladungen“ ab. Auch fällt nicht schwer zu glauben, dass man jeden Tag einen ein Meter hohen Aktenstapel vorgesetzt bekommt, wenn 3600 Mitarbeiter im eigenen Haus verschiedene Anliegen und ausstehende Entscheidungen zusammentragen.

Ausschnitt aus der Gesprächsrunde, v.l.n.r. Dr. C. Vulpius (Organisatorin der Berufsvorstellungsreihe), Dr. Th. de Maizière (CDU, BMin der Verteidigung), L. Zahnert (Blog ANGEKREUZT.), B. Hackenbroich (Schülerzeitung kreuz&quer)

Auf eine Frage, die das ungleiche Verhältnis von weiblichen und männlichen Personen in den Führungspositionen im Bundestag betraf, sagte er klar, er könne „keine befriedigende Antwort geben“ – was Politiker ja im Allgemeinen nicht zugeben wollen. Ein einfaches Eingeständnis kann aber manchmal mehr Sympathie erwecken als ein gestelztes Herumreden um einen undeutlichen Inhalt, wie wir es von anderen Politikern kennen.

In Anbetracht der Situation nicht verwunderlich, kam nach einiger Zeit die kritische Frage, wie weit ein Kriegseinsatz in Ländern wie Afghanistan für ihn als Christ verantwortbar ist. Welches der 10 Gebote beinhaltet die Berechtigung, die eigenen Ansichten durchzusetzen, indem man Gewalt mit gewaltsamem Einschreiten ‚unterbindet‘? Wenn wir als Terroristen diejenigen Volksgruppen bezeichnen, die mit Gewalt das System zu stürzen versuchen, werden diese dann nicht von der UNO  in Afghanistan bekämpft und in Libyen unterstützt? Wie fühlt es sich an, diese Begriffe festzusetzen, die Lage zu beurteilen und über das Leben der Soldaten aus dem eigenen Volk zu entscheiden, aber dabei bitte im Hinterkopf zu behalten, dass man christliche Grundsätze hat?

Obwohl das Thema nicht mehr ganz im Rahmen der Berufsvorstellung lag, ging de Maizière nach einem Exkurs zur Lebensversicherung der Soldaten und der Begrifflichkeit „Kriegseinsatz“ darauf ein; dass es hier keine simple Antwort gibt ist offensichtlich. Nach einer Erklärung der Völkerrechtsbestimmungen, die eine humanitäre Intervention vorsehen, konterte er mit der Gegenfrage: ‚Gibt es einen gerechten Krieg? „Natürlich, früher entschied der Fürst, ein Angriff sei berechtigt, und die Bischöfe segneten die Waffen.“ Doch dann fing man an, sich zu fragen: Wie genau gibt Gott dem Monarchen die Befugnis zu diesem Urteil, ist es nicht eher er selbst, der sich eine göttliche Macht zuschreibt?
Der Minister begründet den Einsatz in Afghanistan mit der Bedrohung auch für Deutschland, die von Terrororganisationen wie Al Qaida ausgehen. Er verwendete den Begriff „asymmetrischer Krieg“, da es keinen territorial bestimmbaren Gegner gibt, wenn es sich um eine Untergrund-Organisation handelt. Der Minister betonte, dass derartige Entscheidungen die Schwierigsten sind, zumal in seiner Position eine „personale Verantwortung“ hinzukommt – „denn die Gespräche mit den Witwen an den Gräbern der Soldaten führt nicht der Abgeordnete des Bundestages, der dem Beschluss zugestimmt hat.“ Grundsätzlich sei jedoch, „um ein Höchstmaß an Gewaltfreiheit herzustellen, Gewalt nötig. “

... zum Ende gab's neben persönlichen Danksagungen auch aktuelle Exemplare des Jahrbuchs, der Image-Broschüre sowie der Schülerzeitung kreuz&quer

Die letzte Frage bezüglich der Richtigkeit des Rücktritts von Guttenbergs schöpfte wohl nicht alle Kapazitäten aus und ließ sich mit einem einzigen Wort beantworten, bevor der Verteidigungsminister sich verabschiedete und weiter eilte zum nächsten Termin, sonst hätte die Diskussion sich wohl noch um Stunden fortsetzen lassen.

Alles in allem stellte der Besuch des Bundesministers für alle ein bereicherndes und interessantes Nachmittagsprogramm dar, und hätte er noch einen Moment gehabt, hätten wir uns noch einmal für seine kostbare, für uns aufgewendete Zeit bedankt.

Louise Zahnert

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Kommentare
  1. DER Chefredakteur sagt:

    Klar, ein bisschen mehr Zeit wäre schön gewesen, aber ich finde es erst einmal gut von ihm, dass er sich überhaupt auf die Veranstaltung eingelassen hat. Und auch seine Art fand ich sehr angenehm – es war also erfolgreicher Wahlkampf 😉

  2. clara sagt:

    Ich freue mich auf die nächste Berufsvorstellung 🙂

    Schade nur, dass die Zeit so begrenzt war. Den Schülern wären die Fragen vermutlich nicht so schnell ausgegangen…

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