Klebstoff made in Niedersachsen

Veröffentlicht: 27. Januar 2012 von angekreuzt in Allgemein

Franz Richter / Wikimedia Commons

Im alten Jahr wurde ich darauf aufmerksam, als ich die Nachrichten im „Ersten“ schaute. Erst verstand ich nicht, worum es ging, aber dann hörte ich genauer hin und begriff, was sich für ein Skandal in Deutschland entwickelte. Der immer nett wirkende Herr Wulff, mit der tiefen sonoren Stimme, der studierte Jurist und führende CDU-Politiker sowie unser aktueller Bundespräsident – der soll doch tatsächlich Dreck am Stecken haben…?

Der Beginn der Affäre Wulff

Es begann damit, als bekannt wurde, wie Hr. Wulff sein schmuckes Haus in Niedersachsen finanziert hat. Am 13. Dezember 2011 erschien in “Bild“ ein Bericht, dass sich Christian Wulff im Jahr 2008 einen Privatkredit bei der Ehefrau des Unternehmers Egon Gerkens, Edith Gerkens, in Höhe von einer halben Million Euro, gegönnt hatte. Er erhielt den Kredit mit einem deutlich niedrigeren Zinssatz als es damals üblich war.
Zu dieser Zeit aber war Christian Wulff Ministerpräsident des Landes Niedersachsen und hatte damit die Pflicht, einen Kredit bei einem Privatunternehmer anzumelden. Auf die Frage im Landtag Niedersachsens, ob er geschäftlichen Kontakt zu Edith Gerkens, Egon Gerkens Frau hatte, gab er an, in den letzten 10 Jahren keinen Kontakt zu dem geldgebenden Wohltäter gehabt zu haben.

Inzwischen hat er ja – wie wir wissen –  seinen Wohnsitz gegen das Schloss Bellevue eingetauscht.

Diesen Teil der Affäre Wulff bezeichnet man als die Kreditaffäre, in diese ist die in der Öffentlichkeit deutlich mehr beachtete Medienaffäre verflochten.

Weitere Entwicklungen

Einen Tag vor der Veröffentlichung des Artikels über seinen Bankkredit rief Christian Wulff bei seinem alten Freund, dem Chefredakteur der Bildzeitung, Kai Diekmann, an und drohte ihm mit einer Strafanzeige, falls er den Artikel veröffentlichen lassen würde. Des weiteren soll er sich heftig im Ton vergriffen haben, was meiner Meinung nach eines Bundespräsidenten unwürdig ist. In einem Fernsehinterview mit ARD und ZDF vor mehr als zwei Wochen, wollte er sich erklären und einen Befreiungsschlag vollziehen.

Peter Kuley / Wikimedia Commons

Damit ist er aber gescheitert, denn er erklärte, dass er, aus familiären Gründen mit dem Anruf lediglich einen Aufschub des Artikels um einen Tag erwirken wollte. Was aber hat ein Artikel über einen vergünstigten Kredit mit seiner Familie zu tun? Seine Erklärung wurde postwendend abgeschmettert, als der stellvertretende Chefredakteur der Bildzeitung bekannt gab, dass der Anruf auf keinen Fall einen Aufschub als Ziel hatte, sondern wohl eher dazu diente, die Berichterstattung zu verhindern.
„Bild“ war aber nicht die einzige Zeitung, welche Wulff anrief. Bei der „Welt am Sonntag“ klingelte ebenfalls das Telefon und der nette Herr aus dem großen Schloss mitten in Berlin war dran.

Die Urlaubsaffären und Sonstiges

Dieser Titel mag einige verwundern, doch eigentlich passt er, wenn man die Fakten hört. Er gab nämlich noch im alten Jahr zu, dass er kostenlos bei seinen reichen Freunden Urlaub machte. Von armen Freunden des Herrn Wulff ist nichts bekannt.

Ach wie wäre es doch schön, wenn man mal schnell zu Dirk Nowitzki düsen könnte und mit ihm Urlaub in Beverly Hills genießen könnte…Tagträume.

Kein Tagtraum dagegen ist, dass laut FAZ „fast 70 Banken, Versicherungen und Fonds, 1,8 Milliarden Euro Schadenersatz“ von ihm fordern. Er soll, während seiner Zeit als VW-Aufsichtsrat, den Deal (Übernahme von VW durch Porsche) in irgendeiner Art und Weise verhindert haben.

Fazit

Mein Fazit zur Affäre Christian Wulff ist eindeutig. Er gehört meiner Meinung nach nicht mehr auf den Posten des Bundespräsidenten unserer Republik. Das sollte er inzwischen bemerkt haben, aber er klebt förmlich an seinem Stuhl. Man kann ja sagen, dass jeder Mensch Fehler macht und das stimmt auch, aber solche Fehler sollte man als Bundespräsident beziehungsweise als Ministerpräsident Niedersachsens nicht machen. Zumal ich noch nicht mal alle Vorwürfe genannt habe, unter die noch eine Flugticketaffäre, Verbindungen zu Sekten und unsaubere Finanzierungen von Büchern fallen. Eine eindeutige Angelegenheit ist die Affäre Wulff aber auf keinen Fall, denn wer weiß, was man in ein paar Tagen noch ausgräbt, aus der Schatzkiste des Christian Wulff.

Noch ein schönes Jahr wünscht

Kreuzer!
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Kommentare
  1. B078 sagt:

    @ fh: Ein Bundespräsident ist nicht ein „Jeder“. Von einem repräsentativen Staatsoberhaupt kann man, denke ich, durchaus erwarten, dass er nicht nur wie ein Auszubildender seine Grenzen bzw. Richtlinien, die übrigens auch schon für die vorherigen Bundespräsidenten galten, austestet. Noch mehr Lügen in der Politik (Wulff, von Guttenberg &Co.) bedingen eine sinkende Wahlbeteiligung, was nicht im Sinne eines Bundespräsidenten sein kann.

  2. angekreuzt sagt:

    Fakt ist, dass ein Bundespräsident eine Vorbildfunktion zu erfüllen hat. Es ist unverantwortlich in dieser Position Dreck am Stecken zu haben. Sowohl für ihn als Privatperson, als auch für die Akzeptanz der Rolle des Bundespräsidenten gererell.

  3. fh sagt:

    Na ja aber ich meine jeder hat Dreck am Stecken. Und du kennst ja die BILD wenn die etwas findet, dann bauscht sie das dann immer so auf, dass es auch interressant wirkt.
    Dass er eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen hat, ist aber definitiv kein kluger Schachzug.

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